Manduria ist eine der grössten und aktivsten Kleinstädte der Provinz Taranto und verdankt ihr Aufblühen und ihre Bedeutung dem Umstand, dass sie im Knotenpunkt der Verkehrswege zwischen Taranto, Brindisi und Lecce liegt.
Umgeben von den Düften und Farben der weitläufigen Macchia (mediterrane Buschlandschaft), von fruchtbaren Äckern und zahlreichen ländlichen Villen und Gutshöfen finden sich ausgedehnte Weinberge und Olivenhaine. Der berühmte Primitivo DOC di Manduria sowie die erlesenen Olivenöle bilden die edelsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse dieser Gegend. Von der einst so wichtigen Viehwirtschaft ist nur noch die Schafzucht übriggeblieben.
Manduria ist eine Stadt mit reicher Geschichte. Sie wurde von den Messapiern um 1000 v. Chr. gegründet. Sie war eine der wichtigsten des messapischen Zwölf-Städte-Bundes. Imposante Ausgrabungen bezeugen die Grösse und Wichtigkeit dieser antiken Zivilisation. Weitere Zeugnisse bilden die Mura Megalitiche (Stadtmauer), deren Teile noch heute im Stadtzentrum zu sehen sind (Via del Fossato). Am Stadtrand befindet sich ein weitläufiges Gräberfeld (Nekropolis). Zusammen mit der Kirche San Pietro Mandurino (8.Jh.) und der Quelle des Plinius, einem Kultort aus der Römerzeit, bilden sie den archäologischen Park.
Im Quartier „li Castelli“ finden sich weitere Zeugnisse der Messapier. Möglicherweise handelt es sich dabei um die von Plinius zitierte „Varia“.
Verschiedene Sehenswürdigkeiten laden zu einem Stadtrundgang ein: Die Dreifaltigkeitskirche aus dem 16. Jh. (Chiesa Madre), das jüdische Ghetto, das barocke Altstadtzentrum mit den Kirchen Chiesa dell’Immacolata und der Chiesa del Rosario aus dem 17. Jh. Ein weiteres Denkmal bildet das Calvario (19. Jh.) eine Installation, welche mit zahlreichen Fragmenten und farbigen Figuren Episoden aus dem Leben Jesu und dessen Umgebung wiedergibt.
In seiner Nähe befindet sich das wunderschöne Franziskanerkloster (Convento Francescano) aus dem Jahre 1474. Besonders sehenswert sind die herrschaftlichen Palazzi wie der Palazzo Corcioli-Gianuzzi (16. Jh.) und der imposante Palazzo Imperiale (1717), der sich mit Blick auf die Piazza Garibaldi über einem ehemaligen normannischen Schloss erhebt.
Manduria besitzt auch eine 18 km lange Küste am prächtigen Jonischen Meer, an der sich feine weisse Sandabschnitte mit felsigen Klippen abwechseln. Auf den Klippen stehen denn auch die zahlreichen Festungstürme, welche die Küste der ganzen Halbinsel wie eine Perlenkette zieren. Sie wurden als Schutz vor den Sarazenen erbaut. Zahlreiche Türme sind erhalten geblieben. Der nächste steht bei Torre Colimena, das gleichzeitig einen wunderbaren kleinen Naturhafen besitzt.
Die kleine (Festungs-)Kirche im Zentrum von San Pietro in Bevagna geht auf den Apostel Petrus zurück, der um 42-45 n. Chr. der Legende nach vom heiligen Land kommend, hier an Land gegangen sein soll.
San Pietro in Bevagna wird von den zwei Flüssen Chidro und Borraco sozusagen abgegrenzt. Der Chidro ist bei Tauchern und Fischern sehr beliebt. Die Mündung des Chidro, der einen offenen Wasserlauf von nur 350 m Länge aufweist, ist wegen seines hohen Kalkgehaltes des Wassers hydrobiologisch äusserst interessant. Der kurze Wasserlauf steht denn auch unter Naturschutz u.a. weil er eine reiche Flora möglich macht. Um dieses auch geologisch interessante Gewässer ranken sich zahlreiche Legenden. Im halbtiefen Wasser, etwas ausserhalb des Mündungsdeltas, kann man im klaren Wasser mit blossem Auge zahlreiche marmorene Sarkophage erkennen, die von grossem archäologischen Interesse sind.
Das Schutzgebiet der Saline und die Dünen von Torre Colimena weisen eine grosse Vielfalt an Lebensräumen auf: Dünen, Sumpfgebiet hinter den Dünen, Saline, die Macchia und der Steineichenwaldstreifen. Die Saline macht den wichtigsten Teil des Naturschutzgebietes aus. Sie erstreckt sich über 50 Hektaren und war einst mit einem Kanal mit dem Meer verbunden. Im Winter füllt sie sich etwas mit Wasser auf und dient zahlreichen Zugvögeln als Zwischenstation. Im Sommer ist sie gänzlich ausgetrocknet und fasziniert durch ihre karge Weite. Zeugnisse der Salzproduktion bilden die Spuren des Karrweges auf dem das Salz transportiert wurde und die noch sichtbaren Lagergebäude. Sie bildeten zusammen mit den Wohnhäusern die Siedlung „Torre della Salina“ zu der auch eine kleine Kirche (16. Jh.) gehörte.
Dieser Lebensraum, unter dem Begriff „mediterrane Salzsteppe“ zusammengefasst, ist in Europa äusserst selten und deshalb von hoher botanischer Bedeutung. Dazu gehören auch die Macchia und die „Wachholderdünen“, welche vorwiegend aus Myrthesträuchern und Mastixbäumen besteht.
Die Wälder von Coturi und Rosa Marina befinden sich unweit der Jonischen Küste zwischen San Pietro in Bevagna und Manduria. Fast sicher sind sie die letzten dünnen Streifen des einst so berühmten Waldes der Friedrich II so lieb und teuer war und vermutlich einst aus Steineichen und wildem Unterholz bestand. Die Wälder sind durch kleine Macchia-Flächen unterbrochen, darin sich eine besondere Fauna erhielt. Besondere Tierarten sind die Vierstreifennatter, die Leopardnatter, die Schleiereule, die Waldeule und der ägäische Geko.
Das Sumpfgebiet des Conte mit seinen Küstendünen besteht aus einer weitreichenden, hinter den Dünen liegende feuchte Landsenke, die vermutlich aus einer Anhebung des Meeresgrundes entstanden ist. Diese geologische Besonderheit zeichnet sich durch ganz verschiedene Sandarten und dem Schlick aus der jüngsten Erdgeschichte aus. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich darin seltene Pflanzenarten, wie etwa das Sumpf-Knabenkraut (Orchis palustris) oder die Ipomeoa saggitata (eine Windenart), erhalten haben. Darüber hinaus ist es ein Ruheort der Zugvögel. Diese einmalige Dünenlandschaft stellt eine botanische Kostbarkeit dar und bildet zusammen mit dem Dickicht des Arneo den kostbarsten Streifen der salentinischen Macchia.
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